Sonntag Lätare, 14. März 2021

Sonntag Lätare, 14. März 2021
„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Johannes 12, 24

Jesus zeigt ein Bild von sich. Er vergleicht sich mit einem Weizenkorn. Ein Weizenkorn kennt jeder. Jeder backt damit sein Brot. Jeder sieht, wie es im Frühjahr in die Erde gesät wird, ja, begraben wird und, wenn es aufgeht und wächst, Frucht bringt – pralle, volle Ähren. Ein Korn schenkt, in der Erde langsam vergehend, vielen Körnern Leben. „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“
Schaut, heißt das, wenn ihr mich sehen wollt, wenn ihr etwas von Gott sehen wollt und von dem, was er mit mir vorhat – schaut auf so ein kleines Weizenkorn. Es sieht so unscheinbar aus, wie ich, Jesus von Nazareth. Und doch trägt es die ganze Fülle des Lebens.
Ein Bauer legt es in die Erde. Er sät voller Hoffnung. Dann scheint alles in dem Samenkorn zu sterben, zu vergehen. Doch wenn die Hülle vollkommen vergangen ist, erhebt sich das Leben aus eben jenem zerfallenden Korn. Ein Keimling, eine Ähre, eine Vervielfachung der Frucht. Neues Leben.

Schaut, sagt Jesus: Mein Leben ist wie ein Weizenkorn, das in den Boden gelegt wird. Mit dem Weizenkorn deutet Jesus sein bevorstehendes Sterben. Zum Glück wissen wir, wie es ausgeht. Wir kommen alle von Ostern her. Sonst gäbe es unsere Kirche überhaupt nicht. Seit 2000 Jahren glauben Menschen daran, dass Jesus vom Tode auferstanden ist. Zum Glück gibt es diese Menschenkette von Jesus über Philippus, Andreas und die namenlosen Griechen, die es weitersagten, bis die Nachricht uns erreichte. Und zum Glück gibt es auch 2000 Jahre später noch Menschen, die in Jesu Namen zusammenkommen und miteinander unterwegs sind.

Es ist nicht unsere menschliche Kraft, die im Vergehen, im Tod neues erschafft. Seinen tiefsten Sinn, seine tiefste Freude erhält unser Leben dadurch, dass Gott mitten im Tod Leben schaffen will. Unser Sterben ist eingesenkt in die Spur des Lebens vom Anfang der Schöpfung her.
Mit dem Bild des Weizenkorns deutet Jesus seinen Weg und will damit seinen Jüngern, diese Griechen und uns alle ermutigen – folgt mir darin nach!

Jesus macht seinen Jüngern Mut, ihm nachzufolgen. Er sagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht“.
Erstaunlich, was wir für unser Leben bei Jesus lernen: Wer gibt, der empfängt. Wer für andere da ist, findet sich selbst. Wenn ich etwas von mir, meiner Lebenszeit, von meiner Lebenskraft hingebe, so wie das Korn sich der Erde hingibt, trägt mein Leben viel Frucht. Mein Leben wird dann nicht ärmer, weil ich gebe. Es wird reicher – reicher an Glauben, reicher an Hoffnung, reicher an Liebe, reicher an Lebensfreude.

Ja, Freude kommt neu in mein Leben, wo ich mich einsetzte für andere. Jesus sagt, wer mir dienen will, wer etwas von sich hingeben will, wer Spuren seiner Liebe in der Welt zurücklassen will, befindet sich auf der richtigen Spur, auf der Lebensspur. Die Freude, die es bereitet, etwas zu geben, etwas von sich zu schenken, mag uns leiten.
Die Freude mag uns leiten: das möchte ich uns heute mitgeben am Sonntag Lätare, dem Freudensonntag.
Wer Jesus nachfolgt, gewinnt viel und verliert letztlich nichts. Wer gibt, wie Jesus gibt, wie das Weizenkorn sich der Erde hingibt, findet einen tiefen Sinn in seinem Leben. Und die Lebensfreude wächst, wenn wir sehen, wie vieles, was wir geben konnten, schon Früchte trägt.
Albert Schweizer sagte einmal: „Das einzige Wichtige im Leben sind Spuren der Liebe, die wir hinterlassen.“
Solche Spuren wünsche ich uns allen.
Amen!

Gebet
Es ist schwer, Gott, alles aus deinen Händen zu empfangen. Es ist schwer auszuhalten, dass es nicht nur einfach und heiter ist. Schenke uns die Gnade, dir dennoch zu vertrauen, dir zuzutrauen, dass du den Weg zum Leben für uns willst.
Amen!

Autor: Dietmar Seling