„Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“

„Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“
Mit diesen beiden Thesen hat Martin Luther seine Schrift von der Freiheit eines Christen-menschen eingeleitet.
Freier Herr aller Dinge und niemandem untertan sein. Was das heißt, hat Luther gezeigt, als er auf dem Reichstag zu Worms vor dem Kaiser und den Fürsten des Reichs stand und dort seine reformatorischen Thesen widerrufen sollte. Auf den Tag genau heute, vor 500 Jahren, ist Luther in Worms angekommen. Mit Zittern und Zagen, so stelle ich es mir vor. Zum Widerruf aufgefordert, hat er sich eine Nacht Bedenkzeit erbeten und dann am nächsten Tag den Widerruf abgelehnt. „Widerrufen kann und will ich nichts, weil es weder sicher noch geraten ist, etwas gegen sein Gewissen zu tun.“
Seinem Gewissen folgen und Zivilcourage zeigen: Damit hat Luther auf dem Reichstag in Worms Weltgeschichte geschrieben. Und ich wünsche mir, dass wir uns auch heute davon inspirieren lassen: freier Herr aller Dinge und niemandem untertan sein. Also mutig für unsere Überzeugungen eintreten, auch gegen äußere Autoritäten und dienstbarer Knecht aller Dinge sein. Also unser egoistisches Interesse zurückstellen, Rücksicht nehmen und der Nächstenliebe eine Chance geben. Gerade jetzt in der Pandemie braucht es diese Haltung.
Lassen wir uns wie Luther von Christus die Kraft dafür geben. Geht gesegnet und behütet in diesen Tag.

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) 16. April 2021