22. Februar 2021: Videobotschaft des EKD-Ratsvorsitzenden

22. Februar 2021: Videobotschaft des EKD-Ratsvorsitzenden

„Kann eine Frau ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes?“, so heißt es im Buch des Propheten Jesaja im 49. Kapitel. So sehr eine Mutter oder ein Vater ihren Kindern mit Liebe und Mitgefühl begegnen – das ist die Botschaft – so sehr begegnet uns Gott mit Liebe und Barmherzigkeit. Aber es ist so schwer, in diesen Zeiten für Eltern, Kindern eine Umgebung der Geborgenheit und Unbeschwertheit zu geben. Zwei Meldungen in der Zeitung haben mich diese Woche besonders beschäftigt. Die eine Meldung: Fast jedes dritte Kind zeigt einer neuen Studie zufolge ein knappes Jahr nach Beginn der Pandemie in Deutschland psychische Auffälligkeiten. Ängste nehmen zu, auch Depressionen. Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen sind besonders gefährdet. Die zweite Meldung: Kinder in England bauen einen Schneemann und freuen sich daran. Ein Polizist kommt und scheucht sie weg. Joggen und Fitnessübungen seien erlaubt, einfach spielen aber nicht. Es wird höchste Zeit, dass die Kinder endlich wieder unbeschwert spielen können. Denn ihr Wohlergehen ist auch in Pandemiezeiten existenzrelevant für unser Land. Und eines ist für mich klar: Wenn wir darüber nachdenken, was sich in der Zeit nach der Pandemie ändern muss, dann gehört das zu den Prioritäten: Deutschland muss ein kinderfreundliches Land werden, in dem jedes Kind nicht zuerst etwas leisten muss, sondern einfach sein darf. Indem die Lebendigkeit und das Lachen von Kindern nicht als Lärmbelästigung gesehen wird, sondern als Segen für unser Land. Geht gesegnet und behütet in diesen Tag.

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)