
... die Geschichte der Kirchgemeinde
Ende des 14. Jahrhunderts fällt die reußische Herrschaft Werdau mit Beiersdorf an die Wettiner (Sachsen). Somit stand Fraureuth, damals noch Pfarrfiliale von Beiersdorf, kirchlich unter einer anderen Oberhoheit als weltlich. Dieser Sachverhalt war wohl der Hauptgrund für die 1570 herbeigeführte Eigenständigkeit als selbständige Pfarre. Die Kosten für die Einrichtung der Pfarrstelle mit Haus und Hof und Abgaben für den Unterhalt des Pfarrers übernahmen die Fraureuther selbst. Die ersten Pfarrer hatten mitunter große Schwierigkeiten, die ihnen zugesagten Unterhaltsabgaben einzutreiben. Von einem Pfarrer heißt es, er habe den Mangel an Nahrung „mit Kugelbüchse und Vogelherd„ ersetzt. Dennoch blieben die hiesigen Pfarrer etwa doppelt so lange an ihrem Dienstort wie alle anderen Pfarrer auf reußischen Gebiet.
Wie stark die Fraureuther mit ihrer Kirche verbunden waren und was sie ihnen bedeutete, davon zeugt der Kirchenbau von 1733. Die alte Kirche war nicht nur zu klein geworden, die Plätze reichten nicht mehr aus, sie zeigte starke Schäden im Turmbereich. In einer für die Fraureuther selbstverständlichen Zusammenarbeit aller, wird in nur siebenmonatiger Bauzeit in Handarbeit die alte zu klein und baufällig gewordene Kirche, bis auf die Umfassungsmauern abgebrochen und eine erneuerte und mit einem angesetzten mächtigen Glockenturm vergrößerte Kirche neu errichtet.
1742 leisten sich die Fraureuther das, was sich ihr Landesherr in Greiz für seine Residenzstadt geleistet hat: eine von dem damals schon berühmten Orgelbaumeister Gottfried Silbermann gebaute Orgel.
Wer heute als Besucher unser Gotteshaus betritt, wird feststellen, dass den Fraureuthern ihre Kirche zu allen Zeiten am Herzen lag.
Was die Kirchgemeinde bis heute auszeichnet, ist ein waches Interesse der Gemeindeglieder an dem, was in ihrer Kirche vor sich geht. Das zeigt sich nicht nur am handfesten Einsatz vieler Gemeindeglieder bei den großen Sanierungsarbeiten seit 1952, sondern auch am Besuch unserer Gottesdienste. Nicht nur zu Weihnachten, sondern auch zu anderen Anlässen über das Jahr ist unser Gotteshaus gut gefüllt.
Unsere Gemeinde lebt davon, dass sich immer wieder Menschen ansprechen lassen und mitmachen, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen und die Gemeinde mit Leben zu erfüllen. Fraureuth ist auch ein Beispiel dafür, dass ein gut funktionierendes und lebendiges Gemeindeleben weniger vom Pfarrer, sondern in erster Linie von den Gemeindegliedern selbst getragen wird. Gerade in den letzten Jahrzehnten konnten sich bei uns viele Formen des Gemeindelebens entfalten, die weithin auf das Engagement von Gemeindegliedern zurückzuführen sind. Zu nennen wäre hier der traditionsreiche Posaunenchor; aber besonders auch die vielgestaltige Arbeit der Landeskirchlichen Gemeinschaft.
Wenn diese Einstellung erhalten bleibt und die Menschen ihre Kirchgemeinde als ein Angebot wahrnehmen, das uns durch unser Leben begleitet, das Hoffnung und Lebenssinn über den Tag hinaus verbreiten möchte – dann muss uns vor der Zukunft nicht bange sein.
Leben wir doch aus der Zuversicht, dass unser Erhalt nicht allein von unserem Tun abhängt. Vieles hat sich gerade in den jüngsten Zeiten verändert und vieles wird sich noch ändern. Doch wir leben aus der Gewissheit: Der Herr unserer Kirche, Jesus Christus, bleibt der Gleiche, gestern heute und in Ewigkeit (Hebräer 13,8).
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