
...unser Friedhof
Friedhöfe sind für uns Orte der Erinnerung, des Gedenkens und der Trauer, aber auch Orte voll Würde, Schönheit und Verheißung.
Auf unserem Friedhof verdichtet sich in gewisser Weise die Geschichte unseres Ortes. Hierher kommt man, um im Andenken an die Verstorbenen, eigene Lebenserinnerungen wachzuhalten und zu pflegen. Das Gedenken an die Toten gibt unserem eigenen Leben Würde und Grund. Wer die Toten vergisst, lebt geschichts– und gesichtslos. Und wer seine Wurzeln vernachlässigt, verliert leicht den Halt und wichtige Kraftreserven für die Zukunft.
Menschen brauchen konkrete Zeichen und Orte für ihre Trauer und Erinnerung. Der Friedhof, ein Grab ist solch ein Ort. Wenn ich meinen Kindern von den verstorbenen Großeltern erzähle, dann ist es hilfreich, dass es ein Grab gibt, zu dem wir gehen können, wo die Kinder eine Blume pflanzen oder fragen, wo die Oma oder der Opa denn jetzt sei. Ein Platz, wo man sich im Gebet durch Gott mit seinen Heimgegangenen verbunden weiß. Manchem hilft es auch, am Grab dem verlorenen Menschen zu erzählen, was einen bewegt, im Wissen darum, daß uns „nur„ der Vorhang unserer endlichen Wirklichkeit von der Ewigkeit Gottes trennt.
Unsere örtliche Friedhofsordnung liegt zum kostenlosen Mitnehmen im Pfarramt und im Gemeindeamt aus. Dort finden sie auch alle Richtlinien und Bestimmungen zur Gestaltung von Gräbern.
Was uns im Kirchenvorstand an unserem Friedhof und bei dem, was dort geschieht, wichtig ist.
Wir möchten Menschen, die einen Familienangehörigen verloren haben ermutigen, ihren Abschied in Würde und in einem feierlichen und dem Andenken der Verstorbenen angemessenen Rahmen zu halten. Es stimmt uns traurig, wenn in unserer schnellebigen und kurzatmigen Zeit, Menschen ohne ein Innehalten und ohne ein Wort der Hoffnung und des Gedenkens unter die Erde gebracht werden. Unsere Toten bleiben auch im Tod für uns wertvoll, einmalig und unvergesslich, weil sie in unserer Erinnerung und vor Gott leben. Gott hat jeden von uns bei seinem Namen gerufen, heißt es in der Bibel. Jeder ist in seine Hand gezeichnet. Deshalb gibt es auch auf unserem Friedhof keine anonyme Bestattung, weil jeder Mensch des Erinnerns wert ist.
Übrigens: Kein Mensch muß in unserem Ort ohne ein Wort des Segens und des Zuspruchs beigesetzt werden. Auch bei Familien ohne kirchliche Bindung bin ich als Pfarrer nach Absprache mit den Angehörigen bereit, sie bei einer Beisetzung zu begleiten und ihnen mit der Botschaft und dem Trost zu dienen, der mir anvertraut ist. Im kirchlichen Sprachgebrauch und der Form nach wäre das dann jedoch keine kirchliche Trauerfeier, sondern Beistand am Grabe durch den Pfarrer. Bei Verstorbenen, die aus der Kirche ausgetreten sind und damit zu erkennen gegeben haben, daß sie den Dienst der Kirche nicht mehr wünschen, ist eine begleitende Feier durch den Pfarrer nur in begründeten Ausnahmefällen möglich.
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